Mithilfe

Die Idee

“Für den Anfang wollen wir nur eine kleine Schule gründen, danach jedoch sehen wir unseren Plan so: Wir werden nach der kleinen Schule ein Haus dazu bauen, dort werden Frauen arbeiten, so werden sie ihr Geld verdienen, wir bezahlen sie und bringen die Sachen nach Europa, verkaufen sie hier und bauen mit dem Erlös, den wir in Europa für die Sachen bekommen haben eine grössere Schule, noch ein Waisenhaus für die Kinder, die keine Eltern mehr haben.

Die Betreuer sind Mütter, die keine Kinder, oder keinen Mann mehr haben, ihre Kinder, ich meine die Kinder von den Betreuern können dort mit ihrer Mutter dort leben und in die Schule gehen. Danach haben wir vor ein Spital zu bauen. Ich hoffe, das Geld, das wir bis dann zusammen haben, wird reichen. So wird alles grösser gebaut und vergrössert. Auch werden wir Spielplätze bauen.” Yahya Bajwa, 14 Jahre

Diese Zeilen, die die Richtung der Projekte von LivingEducation bestimmen sollten, stammen aus einem Aufsatz aus dem Jahr 1974. Verfasser ist Dr. Yahya Hassan Bajwa, Gründer und Stifter des Vereins LivingEducation. Diese träumerischen und naiven Ideen eines Kindes zeichneten vor, was Jahrzehnte später Wirklichkeit werden sollte: Ein Sozialprojekt, das zum Ziel hat, Menschen in armen Regionen dieser Erde durch die Macht der Bildung zu einer besseren und hoffnungsvolleren Zukunft zu verhelfen.

LivingEducation konnte Fida Hussain Wairach  für die operative Führung der pakistanischen Projekte gewinnen. Als freiwillige  Mitarbeiterin vor Ort wirkt auch Eveline Gössi mit. Dieses hervorragende Team  gewährleistet durch ihre Fachlichkeit und das ausserordentliches Engagement  Kontinuität und Qualität der Entwicklungszusammenarbeit unter schwierigsten  Bedingungen.  Fida Hussain Waraich ist Koordinator von LivingEducation  Pakistan.

 

Breaking news: Oktober/November 2016:
Die Situation in Pakistan hat sich weiter verschlechtert. Lokale Medien schreiben, Pakistan werde von der Weltgemeinschaft isoliert. Der pakistanischen Regierung wird vorgeworfen, den Terrorismus zu unterstützen. Die Regierung sagt, sie wolle vermehrt gegen terroristische Organisationen vorgehen, aber die Armee weigere sich mitzumachen. Allerdings wurde diese Aussage später von der Regierung dementiert.
2005, kurz nach dem Bau der Wohn- und Schulgebäude von LivingEducation, schon damals hatte der Minister für religiöse Angelegenheiten eine Moschee auf Staatskosten in direkter Nachbarschaft finanziert. Bereits in seiner Eröffnungsansprache hatte er klar gegen die Philosophie der Toleranz und Offenheit von LivingEducation Stellung bezogen. Diese angespannte Situation hat sich in den letzten zwei Jahren zu einer regelrechten Hetze gegen LivingEducation entwickelt. Viele Schulen und Colleges in unserer Gegend unterstützen diese extreme Haltung oder distanzieren sich zumindest nicht davon. Dagegen hat LivingEducation immer eine klare Meinung vertreten: Wir arbeiten für die Harmonie zwischen Muslimen, Christen und anderen religiösen Gruppierungen. Wir stehen für Menschlichkeit, Freiheit und Toleranz ein.

Trotz dieser schwierigen Situation hat sich LivingEducation entschieden, ihre Projekte weiterzuführen. Jedoch drängt sich angesichts der aktuellen Situation im Schulbereich ein strategischer Wechsel auf. Aus Sicherheitsgründen hat LivingEducation im Verlauf dieses Jahres alle Schulen geschlossen. An ihrer Stelle werden wir ab sofort mittellose Mädchen finanziell unterstützen, damit sie an ihrem Wohnort die Schule besuchen können. Für CHF 850.- im Jahr ermöglichen wir einem Mädchen den Schul- oder Collegebesuch während eines Jahres. Mit anderen Worten: Mit unserer neuen Strategie garantieren wir bedürftigen Mädchen und Waisenmädchen einen qualitativ hochstehenden Unterricht an von uns ausgesuchten Schulen. So können wir ein Maximum an Hilfe anbieten und gleichzeitig das Risiko auf ein Minimum verkleinern – besonders auch für die Mädchen. Wichtig ist uns, Mädchen aus allen Religionsgruppen anzusprechen. Wir unterstützen die Mädchen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung und helfen ihnen dabei, zu toleranteren Menschen zu werden.
Die Aktivitäten des Menschenrechtsbüros für Frauen mit Schutzhaus laufen weiter wie bisher. Dazu kommen zusätzliche Frauenprojekte wie zum Beispiel spezifische Kurse für Frauen (Näh-, Textil-, Computer-, Englischkurse und das Micro Project). Im April 2017 planen wir den Besuch von Erica Matile vor Ort, die unsere Frauen vom Micro Project ausbilden wird, damit wir längerfristig in der Lage sind, für die Mode- und Interieurkollektionen „Erica Matile“ (siehe: http://www.matile.ch/) zu produzieren.